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1) Akute und chronische Krankheiten
2) Dosierung homöopathischer Mittel
3) Heilungsverlauf - Das "Heringsche Gesetz"
4) 1. Heringsches Gesetz: Von oben nach unten
5) 2. Gesetz: Von innen nach aussen
6) Homöopathische Arzneimittel und ihre Potenzierung
7) Die Unterdrückung des Heilungsverlaufes
8) Homöopathische Verschlimmerung "Heilreaktion"
9) Die miasmatische Belastung



Die Grundlage der Homöopathie ist das Ähnlichkeitsgesetz. "Similia similibus curentur." "Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden", das heißt, eine Krankheit kann nur mit dem Medikament geheilt werden, das ähnliche Symptome bei einem Gesunden erzeugt. Was ist darunter zu verstehen? Sie haben sich z.B. erkältet, klagen über Tränenfluss, Augenjucken oder -brennen, Kitzeln der Nase, Niesreiz und haben ein wässriges, scharfes, wundmachendes Nasensekret entwickelt.

 

Es kann Ihnen nun nur jenes homöopathische Mittel helfen, welches in der Lage ist, diese Krankheitssymptome auch bei einem Gesunden hervorzu- bringen.

Schneiden Sie z.B. Küchenzwiebeln, so zeigen sich innerhalb kurzer Zeit obengenannte Symptome von Augenbrennen, scharfem Nasenausfluss etc. Die Küchenzwiebel hat also bei einem Gesunden Krankheitssymptome entwickelt.

Haben Sie nun die gleichen oder ähnliche Symptome wie bei der vorgenannten Erkältung, so wird das aus der Küchenzwiebel hergestellte homöopathische Mittel Allium cepa diese Erkältung heilen.

Eine Beschreibung, dass Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen sei, kann man ansatzweise bereits in den alten Schriften des griechischen Arztes Hippokrates (460 - 377 v.Chr.) finden. Auch Paracelsus (1493 - 1541) deutete in seinen Werken auf dieses Prinzip hin. Doch Hahnemann hat als erster die Bedeutung dieses Prinzips erkannt, mit aller Gründlichkeit und Beharrlichkeit weiter verfolgt und zu einer fundierten Heilmethode entwickelt.


Akute und chronische Krankheiten

In der homöopathischen Behandlung unterscheidet man zwischen akuten und chronischen Erkrankungen. Bei akuten Erkrankungen haben die Selbstheilungskräfte des Erkrankten in der Regel die Möglichkeit, die akute Situation aus eigener Kraft zu überwinden. Ist sie überstanden, stellt sich die Gesundheit meistens in kurzer Zeit von selbst wieder ein.

Mit dem richtig gewählten homöopathischen Mittel können akute Krankheiten wie Angstzustände, Augenentzündungen, Insektenstiche, Durchfall, Erbrechen, Husten, Erkältung, Fieber, Hals- und Ohrenschmerzen, Prüfungsangst, Reisekrankheit, Erschöpfungszustände, Sonnenbrand, Zahnen der Kinder etc. innerhalb kurzer Zeit geheilt werden.

Auch bei Verletzungen wie Bänderzerrungen, Bluterguss, Verstauchungen, Quetschungen etc. werden homöopathische Mittel erfolgreich angewendet. Nicht nur oberflächliche, sondern auch schwere Verletzungen, die medizinisch behandelt werden müssen, können zur Unterstützung des Heilungsprozesses mit Akutmitteln behandelt werden.

 

Ganz anders verhalten sich die Selbstheilungskräfte bei chronischen Erkrankungen. Typisch sind hier wiederkehrende, erfolglose Anstrengungen des Organismus, die Gesundheit wieder herzustellen. Nur in seltenen Fällen heilen sie von alleine.
 
Die eigentliche Stärke der Homöopathie ist die Behandlung von chronischen Krankheiten der Psyche sowie des Körpers, z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Muskel- und Gelenkschmerzen, Allergien, Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen, Tubenkatarrh, Rückenbeschwerden, Herz-Kreislaufprobleme, Erkältungen, Kiefer- und Stirnhöhlenentzündungen, Hautkrankheiten, Magen-Darmbeschwerden, Heuschnupfen, Nieren-Blasenbeschwerden etc. Auch Entwicklungs- und Verhaltens- störungen bei Kindern lassen sich sehr gut behandeln.
 
Mittels einer Konstitutionstherapie wird ein homöopathisches Medikament, das Konstitutionsmittel, welches dem Verhalten und der Persönlichkeit sowie der Gesamtheit der Symptome des Patienten am ähnlichsten ist, verabreicht.

Bei der akuten wie auch bei der chronischen Erkrankung sucht die Selbstheilungskraft entlastende Wege über den Körper und die Ausscheidungsorgane.

Werden nun diese Ausscheidungs- und Reinigungsvorgänge wie Hautausschläge, Durchfälle, Erbrechen, Schweissaus- brüche, Fieber, Nasenausfluss oder Bronchialauswurf mit Medikamenten behandelt und somit unterdrückt, kann sich aus einer akuten Erkrankung eine chronische entwickeln, da die Lebenskraft daran gehindert wurde, die Krankheit an die Oberfläche des Körpers zu bringen. Der Organismus kann somit nicht gesunden. Die Krankheit "wuchert" nun in tieferen Schichten. Waren es früher Schweissausbrüche oder Erkältungen, leidet der Patient später z.B. an einem bronchialen Asthma, Gelenkbeschwerden, Kreislaufstörungen, Schwindel, psychischer Verstimmtheit etc.

 

Dosierung homöopathischer Mittel

Oft ist der Patient erstaunt, wenn er nur ein paar Globuli erhält, die er am nächsten Morgen nüchtern einnehmen soll. Er fragt nach, ob denn das genüge, er habe ja erst in drei Monaten wieder einen Termin.

In der klassischen Homöopathie wird die Dosierung auf ein Minimum beschränkt. Um die Selbstheilungskräfte zu beeinflussen, genügt ein einzelner Impuls. Wiederholt man das Mittel zu früh und zu oft, wird der harmonische Heilungsablauf gestört. Man muss dem Mittel Zeit zu einer Reaktion geben. Zu häufige Wiederholung bringen die Selbstheilungskräfte in Unruhe und in weitere Disharmonie.

Betrachten wir zur Verdeutlichung eine Pendeluhr. Die Uhr ist stehen geblieben. Wir ziehen die Gewichtssteine auf, versetzen dem Pendel einen Stoss, und es schwingt rhythmisch hin und her. Berührt man nun nach kurzer Zeit das Pendel erneut, so gerät es in Unruhe und nach kurzer Zeit bleibt die Uhr stehen. Solange etwas in Bewegung ist, braucht es keine zusätzliche Krafteinwirkung, sonst gerät das Ganze in falsche Bahnen.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass ein homöopathisches Mittel auf keinen Fall schaden könne. Nimmt jemand über längere Zeit dasselbe homöopathische Mittel ein, besteht die Gefahr der ungewollten Arzneimittelprüfung, d.h., der Patient produziert Symptome des Medikamentes, das er zu Heilzwecken einnimmt.

Neulich kam ein junger Mann mit einer vom Arzt diagnostizierten Lungenentzündung in die Praxis. Zuvor hatte er von einem sogenannten "Homöopathen" über Wochen die homöopathischen Mittel Tuberkulinum und Luesinum im Wechsel in Hochpotenzen erhalten und leider auch eingenommen.

Der Patient wurde aufgeklärt, dass er wohl die Symptome einer Lungenentzündung habe, diese jedoch aufgrund des homöopathischen Arzneimittelmissbrauches entstanden sei und er mitten in einer homöopathischen Arzneimittelprüfung stehe.

Eine Gabe Sulfur C200 (ein häufig angewendetes Mittel bei Arzneimittelmissbrauch), und zwei Tage später waren die Beschwerden vorbei. Beizufügen ist noch, dass er zuvor noch nie Lungenprobleme, geschweige denn eine Lungenentzündung gehabt hatte.

Je höher die Potenz, desto tiefgreifender und anhaltender die Wirkung und um so weniger muss die Arzneigabe wiederholt werden. Die Hochpotenzen haben eine Depotwirkung. Sie wirken über Monate. Meistens werden sie als Streukügelchen (Globuli) verabreicht. Bei akuter Erkrankung ist es manchmal sinnvoll, diese in Wasser aufzulösen und schluckweise zu trinken. Ihr Homöopath wird Sie darüber informieren. Die LM-Potenzen werden meistens in Tropfenform verabreicht. Sie werden in der Regel häufiger eingenommen als die C- und D-Potenzen.

Bei sehr tiefen Krankheitsstörungen mit einer stark geschwächten Lebenskraft werden tiefere Potenzen verabreicht, da eine Mittelreaktion sonst den Organismus überfordern könnte.

 

Heilungsverlauf - Das "Heringsche Gesetz"

Eine Frage, die uns der Patient oft stellt, ist, wie rasch der Heilungsprozess verläuft. Die Zeitspanne hängt von vielen Faktoren ab. Jeder Krankheitsfall ist individuell, und jeder reagiert einmalig auf seine einzigartige Weise.
 
Eine allgemein gültige Regel zum zeitlichen Ablauf gibt es deshalb nicht. Die Heilung kann sofort eintreten oder sie kann längere Zeit in Anspruch nehmen. Eine schnell auftretende und sich rasch entwickelnde Krankheit heilt grundsätzlich schneller als eine langsam schleichend verlaufende.
 
Es gilt auch zu berücksichtigen, wie tief die entsprechende Störung liegt und wie weit sie sich bereits im Organismus ausgebreitet hat. Sind bereits ernsthafte Veränderungen in den Organen oder Geweben entstanden, dauert es länger, bis die Selbstheilungskräfte die "Reinigungsarbeiten" im Organismus vollendet haben.


Junge Menschen und Kinder reagieren in der Regel schneller als alte Leute.

Patienten, die viele Medikamente eingenommen oder zahlreiche verschiedene Therapien hinter sich haben, sind oft nicht mehr imstande, auf homöopathische Mittel adäquat zu reagieren. Deshalb muss mit einem längeren Heilungsprozess gerechnet werden.

Die Dauer der Erkrankung sowie die erbliche Veranlagung (miasmatische Belastung) spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Von Bedeutung ist auch das Gespräch mit dem Patienten. Es ist nicht damit getan, nach einer ausführlichen Fallaufnahme dem Patienten einfach ein paar Globuli zu geben und zu sagen: "Wir sehen uns dann in 3 Monaten wieder." Es ist wichtig, dass der Homöopath den Patienten versteht und ihm die Zusammenhänge und Entstehungsweise seiner Krankheitsgeschichte aufzeigen und erklären kann. Sobald der Patient sein Krankheitsbild besser versteht, hat er auch mehr Verständnis für allfällige Reaktionen, die durch das homöopathische Mittel verursacht werden.

Man wird auch immer wieder mit Patienten konfrontiert, die nach jahrelanger erfolgloser Behandlung mit verschiedenen Therapien von der Homöopathie eine Heilung innerhalb von Wochen erwarten. Trifft dies nicht ein, wenden sie sich enttäuscht einer neuen Therapieform zu.

Denken Sie daran, chronische Krankheiten entwickeln sich über Jahre und sitzen tief im Organismus. Die Selbst- heilungskräfte müssen angesprochen und wieder auf den richtigen Kurs gebracht werden. Das braucht oft Geduld.
 

Die Heilung kann, wie bereits erwähnt, durch die Lebensweise des Patienten, wie reichlichen Alkoholkonsum, Rauchen, übermäßigen Stress, Bewegungsmangel und anderen Raubbau an der Gesundheit des Menschen wie Drogen, Schlafmangel und Fehlernährung, erschwert oder verunmöglicht werden. Auch eine unzumutbare Familiensituation kann eine Heilung verzögern oder sogar verunmöglichen.
 
Neulich kam ein Unternehmer in die Praxis, der durch die Homöopathie von seinen Stresssymptomen befreit werden wollte. Im Gespräch kam zur Sprache, dass sein Leben nur aus Arbeit bestand. Von der Homöopathie erwartete er, dass er dank dieser nun beschwerdefrei sein Leben wie bisher mit wenig Bewegung und Schlaf, ungesunder Ernährung und reichlichem Alkoholkonsum weiterführen kann. Die homöopathische Behandlung kann wohl vorübergehend solche Beschwerden heilen, verändert der Mensch aber seine falschen Lebensgewohnheiten nicht, kehren die Beschwerden zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück.

Wie bereits erwähnt, gibt es für den zeitlichen Heilungsverlauf keine allgemeingültige Regel. Die Art des Heilungsablaufes untersteht jedoch einer Gesetzmäßigkeit und ist nach dem Entdecker Konstantin Hering (1800 - 1880) benannt. Er postulierte folgende drei Gesetze:

"Die Heilung erfolgt von oben nach unten, von innen nach außen und in umgekehrter Reihenfolge des Entstehens." Was genau darunter zu verstehen ist, wollen wir mit folgenden Beispielen verdeutlichen.

1. Heringsches Gesetz: Von oben nach unten:

Ein Patient kommt u.a. wegen Schulterschmerzen, die er seit Monaten hat, zur Behandlung. Bei der nächsten Konsultation ist er von Rückenschmerzen befallen. "Wie geht es Ihrer Schulter?" "Da verspüre ich keine Schmerzen mehr." Das Krankheitsgeschehen hat sich weiter nach unten verlagert. Drei Wochen später klagt er über Knieschmerzen. Der Rücken ist inzwischen beschwerdefrei. Später verlangt er ein Mittel für Knöchelschmerzen.

Gibt man nun für diesen Zustand in Unkenntnis der Heilungsgesetze und des Heilungsverlaufes ein Mittel, so ist der Patient für kurze Zeit beschwerdefrei. Der Heilungsablauf wird unterdrückt, und die alten Schulterschmerzen treten wieder auf.

Man muss den ganzheitlichen Verlauf der konstitutionellen Behandlung verfolgen. Die Beschwerden haben sich genau nach der Heringschen Regel entwickelt, sie haben sich von oben nach unten verlagert.

Wie bei seinen Rücken- und Knieschmerzen, bekommt der Patient deshalb auch diesmal kein Mittel für den neuen akuten Zustand und nach einiger Zeit ist er auch von seinen Knöchelbeschwerden befreit.

2. Gesetz: Von innen nach aussen:

Die Heilung erfolgt vom Zentrum zur Peripherie, d.h. von den wichtigeren Organen zu den weniger wichtigen. Das Gemüt, die Psyche als "Innerstes" eines Menschen bessert zuerst. Anschließend folgen die lebenswichtigen Organe wie Herz, Leber, Nieren, Lungen. Dann folgt der Bewegungsapparat.

Die Haut als äußerstes Organ heilt am Schluss. Als äußerste "Schicht" hat sie eine Reinigungsfunktion. Deshalb können Hautbeschwerden sehr hartnäckig sein.

3. Gesetz: In umgekehrter Reihenfolge des Entstehens:

Krankheiten, die erst kürzlich aufgetreten sind, werden zuerst geheilt. Die Krankheitsgeschichte wird oft chronologisch rückwärts aufgerollt. Am Schluss verschwinden die Krankheiten, die man am längsten hat.

Ein Patient hat seit der Kindheit Kopfschmerzen, seit 5 Jahren Magenbeschwerden und seit 1 Jahr leidet er an Asthma. Somit verschwindet zuerst das Asthma, dann die Magenbeschwerden und am Schluss die Kopfschmerzen.

Zum "Heringschen Gesetz" gilt noch zu sagen, dass jeweils nur eine der drei Regeln stimmen muss.


Homöopathische Arzneimittel und ihre Potenzierung

In der Homöopathie werden Substanzen aus Pflanzen, z.B. Bärlapp (Lycopodium), Tollkirsche (Belladonna), Küchenschelle (Pulsatilla), verwendet. Auch Produkte aus dem Tierreich liefern wertvolle Medikamente, z.B. Bienengift (Apis), Ameisengift (Formica rufa). Metalle wie Kupfer (Cuprum metallicum), Gold (Aurum metallicum), Eisen (Ferrum metallicum) finden ebenso Anwendung wie Mineralien, z.B. Kalk (Calcium carbonicum), Kieselsäure (Silicea), Magnesiumphosphat (Magnesium phosphoricum). Auch durch Krankheiten produzierte Stoffe, sogenannte Nosoden, werden angewendet.
 

Da Hahnemann bei seinen Arzneien auch viele giftige Stoffe verwendete, begann er diese zu verdünnen.

Er stellte jedoch bald fest, dass er nicht zu weit verdünnen durfte, da sonst die Mittel ihre Wirkung verloren. Aus diesem Grund begann er seine Arzneien stufenweise mit Alkohol zu verdünnen und zu verschütteln.

Bei festen und unlöslichen Substanzen, z.B. Gold, Eisen, Quarz, verrieb er diese im Mörser und verdünnte sie schrittweise mit Milchzucker.

Die stufenweise Verdünnung nennt man Potenzierung (Kraftentfaltung). Hahnemann entdeckte, dass bei vielen Substanzen die Heilkraft erst durch die Potenzierung freigesetzt wurde. So ist z.B. unpotenziertes Petroleum als Heilmittel völlig unbrauchbar. Es einzunehmen wäre sogar wegen seiner Giftigkeit gefährlich. Wird es jedoch potenziert, entfaltet es seine Heilwirkung und wird ein wertvolles Medikament z.B. bei Reisekrankheit, Hautproblemen oder Kopfschmerzen.

Es gibt verschiedene Potenzen. Hahnemann verwendete am Anfang die sogenannten C-Potenzen (Centestimalpotenzen). Sie werden wie folgt hergestellt:

1 Teil Ausgangssubstanz wird mit 99 Teilen Alkohol verdünnt und verschüttelt. Dies ergibt die Potenz C1. Von dieser C1 wird wiederum 1 Teil mit 99 Teilen Alkohol verdünnt und verschüttelt; somit erhalten wir eine C2, etc.

Erfolgt die Verdünnung in 10er Schritten, d.h., 1 Teil Ausgangssubstanz wird mit 9 Teilen Alkohol verdünnt und verschüttelt, dann spricht man von D-Potenzen (Dezimalpotenz). Sie werden vor allem in Deutschland angewendet.

Im homöopathischen Arzneimittelbuch (HAB) sind die genauen Herstellungsvorgänge der einzelnen Arzneimittel beschrieben. Die Anweisungen entsprechen heute noch in den wesentlichsten Punkten den Vorschriften Hahnemanns.

Hahnemann entwickelte in seinen letzten Lebensjahren in Paris noch die LM-Potenzen, auch Q-Potenzen genannt. Hier betragen die Verdünnungsschritte ca. 1:50’000.

Die potenzierten Arzneimittel enthalten ab C12 oder D23 kein Molekül des ursprünglichen Arzneistoffes mehr. Es wurde lediglich die Information des Heilmittels auf den Trägerstoff Alkohol oder Milchzucker übertragen. Diese Information ist labormässig nicht erfassbar.

Chemisch lässt sich nur die Trägersubstanz analysieren. Daher wird in der Wissenschaft auch behauptet, ein homöopathisches Mittel über einer D23 könne keine Wirkung haben, da es ja keine Moleküle des Ausgangsstoffes mehr enthalte.

Dass die homöopathischen Mittel jedoch wirken, ist unbestritten. Kürzlich wurde sogar im wissenschaftlichen Magazin "Lancet" eine Studie von schottischen Forschern der Universität Glasgow veröffentlicht, die dies aufgrund von Patientenstudien eindeutig belegt. Diese Studie konnte selbst von Gegnern der Homöopathie nicht widerlegt werden.

Zum besseren Verständnis der Wirksamkeit homöopathischer Mittel ein Beispiel: Sie halten unser Buch in der Hand und lesen im Moment diese Zeilen. Unsere Gedanken haben wir zu Papier gebracht. Das Papier, auf dem wir die Informationen geschrieben haben, ist der Informationsträger. Wird nun dieses Buch chemisch analysiert, hat man lediglich den Informationsträger untersucht und in seine Bestandteile zerlegt. Bei dieser Analyse wäre aber das Wichtigste verloren gegangen, nämlich die Information, die auf dem Papier war. Sie lässt sich mit keiner Methode nachweisen.

Oder Sie nehmen eine Video- oder Tonbandkassette und wiegen sie. Nun bespielen Sie die Kassetten und wiegen Sie erneut. Sie werden feststellen, dass das Gewicht auch bei den bespielten Kassetten das gleiche ist wie bei den unbespielten, obwohl Informationen darauf gespeichert sind. Natürlich sind dies nur Versuche einer Erklärung, und wie jedes Denkmodell lässt es sich nicht 100%ig übertragen. Es gibt heute in vielen Bereichen Phänomene, die sich wissenschaftlich nicht erklären lassen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht existieren.

Die homöopathischen Mittel sind immaterielle, dynamisierte Heilmittel. Wie wir bereits erwähnt haben, ist Krankheit eine dynamische Verstimmung des Organismus. Diese kann nur mit dynamischen Heilmitteln wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Das homöopathische Arzneimittel berührt die geschwächte Lebenskraft und löst den Heilungsvorgang aus.


 

Die Unterdrückung des Heilungsverlaufes

Echte Heilung bedeutet nicht nur das Verschwinden von Krankheitssymptomen. Oft geschieht es, dass durch eine Behandlung Beschwerden verschwinden, aber nach kurzer Zeit erneut wieder auftreten, oder, was noch schlimmer ist, anstelle der Beschwerden sich eine neue Krankheit meldet.
 
Dabei besteht die Tendenz, dass sich die Krankheit von außen (der Oberfläche des Körpers) nach innen verlagert und dadurch immer gefährlicher wird. Diesen Effekt nennt man Unterdrückung. Sie entsteht, wenn eine Krankheit rein symptomatisch behandelt wird, ohne die Ursache zu betrachten (die geschwächte Lebenskraft).
 
Zum besseren Verständnis dieses sehr wichtigen Kapitels führen wir zwei Beispiele auf. Ein Patient leidet seit längerer Zeit an einem Hautausschlag an den Händen. Er bekommt vom Dermatologen eine "leicht" cortisonhaltige Salbe.

Nach einer Woche ist die Haut gut abgeheilt, und der Patient freut sich, dass er dieses Übel so schnell los wurde. Nach drei Wochen bekommt er im Gesicht, an den Händen und in der Kniekehle einen starken Ausschlag. Er erhält eine stärkere Salbe. Nach halbjähriger Behandlung ist der Hautausschlag endlich besiegt. Der Patient vergisst die ganze Angelegenheit. Im nächsten Frühjahr leidet er zum ersten Mal an einem starkem Heuschnupfen mit Atemproblemen. Dieser Heuschnupfen ist als Folge des unterdrückten Hautausschlages entstanden. Es wurde lediglich etwas "Kosmetik" betrieben, d.h. an der Oberfläche therapiert, nicht aber die Wurzel der Erkrankung behandelt. Dadurch hat sich das Krankheitsgeschehen nach innen verlagert.

Nehmen wir noch das Beispiel einer gewöhnlichen Grippe. Bei einem viralen Infekt steigt in der Regel die Körpertemperatur um einige Grade an. Die Immunabwehr läuft auf Hochtouren. Wird nun mit Medikamenten das Fieber gesenkt, kann der Patient rasch wieder seinen täglichen Verpflichtungen nachgehen. Aus medizinischer Sicht ist der Mensch gesund. Doch der Patient fühlt sich Tage später noch schlapp, klagt über Kopf-, Bauch- und Gliederschmerzen. Kennen wir nicht alle folgende Situation: "Seit dieser Grippe habe ich mich einfach nicht mehr erholt."

Kommt nun ein derart "angeschlagener" Patient in die Praxis und wird mit einem homöopathischen Mittel, das auf seine individuellen Symptome abgestimmt ist, behandelt, so kehrt mit größter Wahrscheinlichkeit das Fieber zurück, und Schweissausbrüche treten auf .

Was ist geschehen? Das homöopathische Mittel hat die geschwächte Lebenskraft stimuliert und diese sucht nun geeignete Möglichkeiten, den kranken Organismus zu heilen. Nach dieser Heilungsreaktion fühlt sich der Patient rasch gesund und ist wieder zu neuen Taten fähig.

Diese unterdrückende und symptombekämpfende Therapie ist vor allem im schulmedizinischen Organdenken verankert.

Man kann aber auch mit Homöopathie und anderen Therapieformen unterdrücken, wenn man den Menschen nicht in seiner Ganzheit betrachtet. Gerade bei den homöopathischen Komplexmitteln, deren Einzelkomponenten ja nach Krankheitssymptomen ausgewählt sind, ist die Gefahr der Unterdrückung sehr groß.

Dasselbe gilt natürlich auch, wenn man homöopathische Einzelmittel nur nach Krankheitsnamen anwendet. Besonders bei Erkältungen und bei allergischen Krankheitsformen wie Heuschnupfen wird oft homöopathisch unterdrückt.

Neulich kam eine Mutter mit ihrem 6 Jahre alten Sohn notfallmäßig in die Praxis. Seit Tagen hatte er starken Husten mit nächtlicher Verschlimmerung bis zum Erbrechen. Vor 4 Monaten bekam er das homöopathische Mittel Tuberkulinum C1000. Handelte es sich hier um eine heftige Heilreaktion? Seit Jahren war er chronisch erkältet und hatte ab und zu eine Mittelohrentzündung, aber Husten bis zum Erbrechen war neu.

Was war geschehen? Der Kleine kam vor 3 Wochen mit brennenden Augen und starkem Nasenausfluss von einer Schulreise nach Hause. Die Mutter ging in die nächste Drogerie und bekam für die Heuschnupfensymptome das homöopathische Mittel Allium cepa, das sie ihrem Sohn nun 3x täglich gab. Die Symptome verstärkten sich, und es wurde ein Heuschnupfen-Komplexmittel gegeben.

Eine Woche später bekam der Kleine noch das homöopathische Mittel Bryonia, das wieder über Tage eingenommen werden musste. Das Krankheitsgeschehen hatte sich auf die Bronchien verlagert, und Husten bis zum Erbrechen entstand. Hier sieht man deutlich die unterdrückende Wirkung homöopathischer Mittel auf ein tief wirkendes Konstitutionsmittel.
 

Homöopathische Verschlimmerung "Heilreaktion"
 
Während einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung kommt es nicht selten vor, dass sich v.a. bei chronischen Fällen die Beschwerden vorübergehend verstärken. Alte Symptome, die man seit Jahren nicht mehr gespürt hat, treten für kurze Zeit erneut auf.
 
Das bedeutet, dass diese Symptome nicht ausgeheilt waren. Manchmal laufen die Reaktionen unbemerkt ab, d.h. der Patient verspürt keine Verschlimmerung, was aber nicht heißt, dass das homöopathische Mittel nicht gewirkt hat.

Diese Heilreaktionen sind positiv zu bewerten und zeigen, dass die Selbstheilungskräfte gut reagiert haben, die Schwachpunkte im Körper erkannt wurden und der Heilungsprozess in Gang gesetzt worden ist. Nach der Mitteleinnahme kann eine Reaktion in 2 Minuten oder erst nach Wochen, manchmal auch nach 2-3 Monaten auftreten. Je nach verabreichtem Mittel, Potenz und Konstitution des Patienten ist der zeitliche Ablauf unterschiedlich.

Die Art der Heilreaktion ist verschieden. So können Personen, die das gleiche Mittel in der gleichen Potenz bekommen haben, je nach Veranlagung und Konstitution individuell reagieren.

Häufig reagiert der Körper mit vermehrter Ausscheidung wie Schleim, Durchfall, Nasenbluten, Schwitzen, vaginalem Ausfluss etc. Jede Reaktion wirkt wie ein Ventil und stellt eine Art Selbstreinigung dar. Der Organismus kann sich entlasten, und der Patient fühlt sich anschließend leichter.

Eine Heilreaktion ist nie so schlimm wie die Krankheit selbst. Wenn z.B. eine Mittelohrentzündung durch ein homöopathisches Mittel wieder auftritt, ist der Organismus durch das Mittel bereits gestärkt. Dadurch verläuft die Krankheit nicht so heftig und heilt schneller.

Auch im psychischen Bereich sind Reaktionen zu erwarten. Introvertierte und blockierte Menschen werden vorübergehend emotioneller. Waren sie früher diplomatisch und äußerlich ausgeglichen, verlieren sie nun möglicherweise schneller die Geduld, sind gereizter und auch mal explosiv. Verdrängtes kommt hoch, wird nochmals gelebt, bearbeitet und verarbeitet. Der Patient beginnt sich zu wehren. Mit der an ihn gerichteten Erwartungshaltung kann er besser umgehen und ist weniger gestresst. Wollte er es früher immer allen recht machen und konnte nie nein sagen, wehrt er sich heute für seine Anliegen. Der Patient nimmt seine Gefühle besser wahr, fühlt sich leichter, ausgeglichener und freier.

Gewisse Veränderungen sind unter Umständen für den Patienten schwer zu verstehen. Es braucht etwas Geduld, diese Reaktionen durchzustehen, aber nachher wird sich der Patient leichter und gestärkter fühlen. Ist der Heilungsablauf in Gang gesetzt, so darf dieser nicht gestört werden. Es ist wichtig, allfällige Reaktionen nicht mit Medikamenten zu unterdrücken. Auch mit zusätzlichen homöopathischen Mitteln kann dieser Vorgang gestört werden. Allgemein sollten während der Behandlung keine homöopathischen Medikamente ohne Wissen Ihres Homöopathen eingenommen werden. Viele homöopathische Mittel sind untereinander nicht verträglich und können sich gegenseitig in der Wirkung aufheben.

Patienten mit schweren organischen Erkrankungen, die seit längerer Zeit Medikamente einnehmen müssen (Asthma, Herzerkrankungen, Diabetes etc.), nehmen selbstverständlich ihre gewohnten Medikamente weiter ein. Ein abruptes Absetzen wäre zu gefährlich. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Homöopathen.

Zum Schluss einige Beispiele für mögliche Heilreaktionen, die wie gesagt bei jedem Patienten verschieden sein können:
 

 

- Ärgerlich, gereizt, weinerlich
- Intensivierte Träume
- Schwitzen
- Müdigkeit
- Durchfall, Erbrechen

- Verstärkte Menstruation,
 veränderter Zyklus
- Verstärkter Hautausschlag, Juckreiz
- Kopf-, Rücken-, Gliederschmerzen
- alte Symptome treten wieder auf

 

Die miasmatische Belastung
 
Was ist darunter zu verstehen? Zu Beginn ein Beispiel: Ihr Kind hat jeden Winter über Wochen starken Husten.
 
Es schlägt ihm nicht nur auf die Bronchien, der Infekt verlagert sich auch auf die Ohren. Tubenkatarrh oder Mittelohrentzündung werden diagnostiziert und natürlich mit den entsprechenden Medikamenten behandelt. Sie haben von den ständigen Antibiotikagaben genug und wechseln zu einem homöopathisch arbeitenden Arzt.
 
Im darauffolgenden Herbst wird nun der obligate wiederkehrende Husten, bevor er in einer Bronchitis endet, mit einem entsprechenden homöopathischen Mittel behandelt. Einige Tage später ist der Spuk vorbei, und das Kind erfreut sich bester Gesundheit. Doch schon bahnt sich die nächste Erkältung an. Erneut zum Arzt, der die akute Erkrankung wieder homöopathisch therapiert.

Der kleine Patient wurde so von tiefergreifenden Krankheiten verschont, seine immer wiederkehrenden Ohrschmerzen konnten mit entsprechenden homöopathischen Arzneimitteln erfolgreich behandelt werden, und er wurde von weiteren Antibiotikagaben verschont. Doch es stellt sich die Frage, warum die Erkältungen immer wieder auftreten und sich erneut zu einer Ohrenentzündung entwickeln. Der Grund liegt darin, dass der Patient noch nicht vollständig geheilt ist, da seine Anfälligkeit weiter besteht.

Dieses Beispiel soll Ihnen zeigen, dass es sich hier um eine tiefere Störung handelt, d.h., der Organismus ist geschwächt, und die Selbstheilungskräfte reichen nicht aus, den Patienten gesund zu erhalten. Auch die richtig gewählten homöopathischen Mittel, die auf die Akuterkrankung abgestimmt waren, haben nicht zu einer vollständigen Heilung geführt. Die Grundschwäche, die Erkältungsanfälligkeit besteht weiterhin.

Weshalb erkrankt ein Mensch nach einem richtig gewählten homöopathischen Mittel immer wieder an derselben Krankheit? Warum hält der Gesundheitszustand nur kurze Zeit an?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich Hahnemann 12 Jahre lang und entdeckte, dass eine tiefe, vererbte oder erworbene Störung (z.B. durch unterdrückende Behandlungen) die Ursache dieser Schwäche ist. Er nannte diese dynamische Störung "Miasma". Dieses Miasma stellt eine Schwäche des Menschen dar, welche die Türe für Krankheiten öffnet.

Mit dem Beispiel im vorherigen Kapitel sollte verdeutlicht werden, dass die homöopathischen Akutmittel wohl die Symptome beseitigen, aber die Krankheit nicht an ihrer Wurzel erfassen. Solange man nur an der Oberfläche behandelt, also auf die gegenwärtigen körperlichen Symptome eingeht, kann man das viel tiefer liegende Miasma nicht erreichen. Es ist, wie wenn man an einem Obstbaum die verdorrten Äste abschneidet, die am Baum verfaulten Früchte entfernt und jedes Jahr von neuem erstaunt ist, dass der Baum immer weniger gesunde Früchte trägt und langsam abstirbt.

Was ist die Ursache, dass der Baum erkrankt? Wir sehen verfaulte Wurzeln, eine veränderte Bodenqualität und dass ihm geeignete Nahrung fehlt. Er ist von der Wurzel her krank.

So ist es auch beim Menschen. Die Ursache liegt in der Tiefe, in der Wurzel und nicht in der Peripherie.

Hahnemann entdeckte und entwickelte tiefer wirkende homöopathische Mittel, die die Fähigkeit haben, in die miasmatische Belastung einzugreifen. So hat nun der nach miasmatischen Gesichtspunkten arbeitende Homöopath die Möglichkeit, auch ganz tief verwurzelte Schwächen (z.B. Vererbungen) erfolgreich zu therapieren.

In einer Konstitutionstherapie unter Berücksichtigung der miasmatischen Belastung wird der Patient in seiner Gesamtheit betrachtet. Dabei ist das Erfassen der eigenen Krankheitsgeschichte und speziell derjenigen der Vorfahren von größter Bedeutung. (Siehe Kapitel Fallaufnahme).

Hahnemann ordnete alle Krankheiten, akute wie auch chronische, und die Charaktereigenschaften des Menschen in miasmatische Gruppen. Er nannte die Grundform aller Erkrankungen die "Psora". Daraus entwickelte sich die Sykose und das syphilitische Miasma. In späteren Jahren kam noch das tuberkulare Miasma hinzu.

Das Thema der Miasmen ist sehr komplex und sollte in diesem Kapitel nur kurz angesprochen werden. Zur Vertiefung führen wir am Schluss des Buches weiterführende Literatur an.

 

 
 Diagnostik
 
 Behandlungen - Therapie
 
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