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In Deutschland steht die Behandlung schmerzhafter chronischer
Erkrankungen wie Migräne, Schulter- und Nackenbeschwerden
sowie Nervenentzündungen im Vordergrund, obwohl auch gute
Erfolge bei der Behandlung von Allergien, psychosomatischen
Erkrankungen und in der Frauenheilkunde zu beobachten sind.
Immer wieder wird über sichtbare Besserung bei Lähmungen nach
Schlaganfällen berichtet. Auch zur Vorbeugung verschiedener
Erkrankungen ist der Einsatz der Akupunktur sehr sinnvoll.
Wie verläuft eine Akupunkturbehandlung?
Nach einer Anamnese und Untersuchung wird das Krankheitsbild
einem entsprechenden Behandlungsschema zugeordnet. Im Anschluß
beginnt dann eine Behandlung mit Nadelung am Körper und/oder
am Ohr. Die Behandlung erfolgt bei chronischen Erkrankungen
meist 1 - 2 x wöchentlich. Bei akuten Erkrankungen kann auch
ein tägliche Behandlung angezeigt sein. Die Behandlung dauert
in der Regel 20 - 30 Minuten, und es sind ca. 1 0 - 1 5
Sitzungen nötig. Eingesetzt werden sterile Einmalnadeln aus
Stahl. Für Kinder ist eine schmerzfreie Behandlung durch den
Einsatz eines Soft-Lasers möglich. Nach jeder Behandlung
sollte noch eine Ruhephase von 1 -2 Stunden zu Hause erfolgen.
Nebenwirkungen der Akupunktur sind nicht bekannt. Selten kommt
es zu leichtem Schwindel. Typisch ist eine Müdigkeit nach der
Behandlung.
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Die Akupunktur ist Teil
vielfältiger therapeutischer Verfahren der
traditionellen chinesischen Medizin. Im Westen hat
diese Therapiemethode mehr und mehr Raum gewonnen.
Besonders beider Schmerzbekämpfung hat sie heute
einen gesicherten Platz.
Bereits seit 1975 wurden Tausende von Patienten mit
chronischen Schmerzen u. a. an der Universitätsklinik Gießen,
am Schmerzzentrum der Uni Mainz, am Deutschen Herzzentrum
München und an der Schmerzambulanz der Uni München mit
Akupunktur erfolgreich behandelt. Sogar Operationen werden
dort schon seit langem in einer kombinierten Narkose und
Elektroakupunktur durchgeführt. |
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Ziel der Akupunktur ist es, bei Funktionsstörungen des
Organismus den energetischen Gleichgewichtszustand
wiederherzustellen. Das betrifft die Funktion des vegetativen
Nervensystems in gleicher Weise wie die hormonelle Regulation.
Über spezielle Akupunkturpunkte auf der Haut können
stimulierende oder sedierende Effekte erreicht werden, wobei
sich die Verbindung zu den Organen durch die sogenannten
cutivisceralen Reflexketten erklären lassen.
An den Einstichstellen entstehen Potentialdifferenzen und
lonenaustauschphänomene zwischen Nadel und Haut. Dieser Effekt
ist daran erkennbar, daß Nadeln, die am therapeutisch
richtigen Ort gesetzt werden, dort erstaunlich fest gehalten
werden. Erst nach ca. 15 Minuten ist der lonenaustausch soweit
abgeschlossen, daß sich die Nadel aus dem nun ausgeglichenen
Milieu mühelos herausziehen läßt, oder daß sie gar von selbst
herausfällt. An dem Akupunkturpunkt entsteht ein
Verletzungspotential des Gewebes von ca. 200 mV gegenüber dem
Ruhepotential der übrigen Zellen von 80 mV. Da der
Heilungsprozeß diese Mikroverletzung an den Punkten 4 Tage
dauert, empfiehlt sich eine Wiederholung erst nach Ablauf
dieser Zeit.
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Durch Stimulation der Nadeln mit elektromagnetischen oder
elektrischen Potentialen (Elektro-Akupunktur) können diese
galvanischen Prozesse verstärkt werden. Auch Druck alleine
(Akupressur) oder Laserakupunktur wirken über den gleichen
Mechanismus, wenn auch etwas schwächer.
Die ca. 780 Akupunkturpunkte sind empirisch auf 14
energetischen Leitlinien (Meridianen) festgelegt. Sie zeichnen
sich nach anatomischen Untersuchungen u.a. durch eine deutlich
vermehrte Anzahl sensibler Rezeptoren aus.
Außerdem ist der
Hautwiderstand an diesen Punkten meßbar geringer (5 kOhm
gegenüber sonst 20 kOhm), so daß sie sich mit einem
elektrischen Meßgerät finden lassen. |
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Im EEG ist die Wirkung der Akupunktur durch eine Zunahme der
Alpha-Frequenzen erkennbar, also ein Zustand ruhiger und
ausgeglichener Wachheit, der die gedankliche Konzentration
fördert. An verschiedenen Universitäten wurde nachgewiesen,
daß die Übermittlerstoffe des Nervensystems Serotonin und
Noradrenalin beeinflußt werden, und daß die Hypophyse zur
Bildung von Endorphinen angeregt wird. Dies sind genau die
Vorgänge, die Schmerzen lindern oder ausschalten und die
vegetativen und hormonellen Funktionen harmonisieren können.
Auch neurophysiologische Schmerz- und Streßreaktionen, vor
allem Spasmen und Durchblutungsstörungen bleiben aus.
Die Akupunktur wird in wöchentlichen Intervallen ca. 8 bis 15
mal durchgeführt. Sie ist eine typische Regulationstherapie,
die schmerzlindernd und vegetativ harmonisierend wirkt. Ein
Einfluß auf das Immunsystem ist durch die deutlich vermehrte
Resistenz gegenüber banalen Infekten bei
Akupunkturbehandlungen anzunehmen.
Diesen Tatsachen konnten sich auch die Krankenkassen nicht
verschließen. Seit die Kassenärztliche Bundesvereinigung im
Sommer 1991 die Vertreter der verschiedenen
Akupunkturgesellschaften Deutschlands zu einer Aussprache
eingeladen hatte, um Klärung darüber herbeizuführen, wann und
in welcher Weise die Akupunktur als Kassenleistung anerkannt
werden soll, ist diese Methode wieder in den Blickpunkt des
öffentlichen Interesses gerückt. Aktueller Stand der internen
Diskussion ist im Augenblick, daß die Akupunktur von den
Kassen im Rahmen eines Modellversuchs, eingegrenzt auf die
Schmerztherapie, erstattet wird. Voraussetzung ist ein
besonderer Qualifikationsnachweis des Arztes.
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